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 Schweinfurt „Der alte Bahnhof". Blick vom 1903 erbauten Fußgängersteg zum Personenbahnhof.    (Stadtarchiv)
                                                                                                                                              Aktualisiert am: 01.02.2012

               Meine Eindrücke im Krieg bzw. vor und nach dem Krieg,
            Zeitzeuge vom 2. Weltkrieg in Schweinfurt.
 

Übersicht:                                                                                                         
In Schweinfurt: - meine Jahre als Kind - Schuljahre - bei der Hitlerjugend, genauer gesagt 
beim Deutschen Jungvolk.

Von 1944 - 1952 in Niederlauer bei Bad-Neustadt/Saale: Elternhaus durch Bombeneinschlag zerstört, evakuiert nach Niederlauer.
März 1945 - 1949 Knecht beim Bauern - meine Lehrzeit - sportliche  Aktivitäten in Niederlauer.

Meine Eindrücke vor und nach dem Krieg bis nach der Währungsreform 1949 als ich 19 Jahre alt war und meine Schreinerlehre beendet hatte, sind noch sehr stark in meinem Kopf verwurzelt, so dass es mich bewegt diese Zeit hier auf Papier festzuhalten.

Heute stelle ich fest, dass die damaligen außergewöhnlichen Ereignisse kaum mehr allgemein bekannt sind.
Ich möchte meine Erinnerungen genau so schreiben, wie ich sie erlebt habe.
Dabei habe ich absichtlich auf jede kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit verzichtet. 
Nicht verheimlichen möchte ich aber auch, dass ich im Spielmannszug sehr gerne bei der 
Hitler-Jugend (Deutsches Jungvolk) war.
So sollen meine Schilderungen einfach ein Beitrag eines Zeitzeugen zum besseren Verständnis unserer Vergangenheit sein.

In Schweinfurt-Oberndorf wurde ich geboren.
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Aufgewachsen als Kind bin ich in der Zeit nach dem Bankencrash 1929. Mein Vater wurde arbeitslos und musste mit 20 RM (Reichsmark) in der Woche die Familie mit 4 Personen ernähren.
Nebenbei verdiente meine Mutter ein paar "Kröten" dazu...so sagte sie immer.

 

 

 

Meine Kinderjahre!

Wie alle Kinder, sollte auch ich in den kath. Kindergarten in Schweinfurt-Oberndorf gehen, der von katholischen Schwestern in schwarzer Tracht geleitet wurde. Da fällt mir spontan folgendes Erlebnis ein: Gleich am ersten Tag wurde ich für irgendetwas bestraft und man stellte mich eine Stunde lang in einen stockfinsteren Kellerraum mit dem Gesicht an eine Wand und musste dort ausharren. Ich hatte eine fürchterliche Angst, so dass ich am nächsten Tag, als meine Mutter mich wieder dort abgeben wollte, ich mich mit aller Kraft an dem Gartenzaun festklammerte.

Ich wollte absolut nicht mehr in diesen Kindergarten, wo damals kath. Schwestern in schwarzer Tracht den Kindergarten leiteten.

Meine Mutter hatte Einsehen und nahm mich wieder mit nach Hause. 
Von nun an brauchte ich nicht mehr dort hin.

Als kleiner Junge spielte ich im Hof des Biergartens. Nebenan war das Gelände der Eisenbahn- Reparaturwerkstatt. Dort arbeitete ein Schlosser der mich scheinbar mochte. Ich kletterte oft über den Zaun und dieser Mann schenkte mir kleine Bleisoldaten so z.B. Reiter, Infanteristen, Fanfarenbläser usw. die er selbst fertigte. Im Laufe der Zeit hatte ich ein ganzes Regiment Bleisoldaten einen Musikzug und voraus den Mann mit dem Tamporstab von ihm geschenkt bekommen.
Ich hatte viel Freude daran.

 

So war es nicht verwunderlich, dass ich mich für die Hitlerjugend in Uniform begeisterte. Meine Mutter klärte mich aber auf, dass ich erst mit 10 Jahren in das „Deutsche Jungvolk“ aufgenommen werden könne.

Meine Spielgefährten, bevor ich in die Schule kam, waren damals Heinz Hofmann, Werner Will und Konrad (Conny) Walther.   

Auf dem Fußgängersteg der von der Ernst-Sachsstraße zum Hauptbahnhof führte standen wir oft und warteten bis ein Personen oder Güterzug vorbei fuhr und wir uns im Dampf  der Lokomotive tummelten. Mitunter waren unsere Gesichter schwarz vom rußigen Dampf.

Der Hunger gehörte seinerzeit zu meinem Leben.

So erinnere ich mich, als meine Mutter nicht zu Hause war, dass ich, um in die Wohnung im 2. Stock zu gelangen, über eine verrostete Dachrinne kletterte und in das Küchenfenster einstieg.  Mit einer Scheibe Brot in der Hand, ging plötzlich die Tür auf und meine Mutter kam herein und staunte als sie mich mitten in der Wohnung sah. Abends kam was kommen musste: Vom Vater bekam ich eine Tracht Prügel.

Wir wohnten in der Gastwirtschaft "Frühlingsgarten" in der Ernst-Sachsstraße 50. diese Gaststätte gehörte, bezw. wurde betreut vom "Brauhaus Schweinfurt". Gleich beim ersten Bomben-Angriff auf Schweinfurt fielen Brandbomben auf das Haus und das obere Stockwerk brannte aus. Danach wohnten wir mehrere Wochen in einem Luftschutzbunker mit 2 Familien in einem engen Raum ohne Fenster bis die Wohnung wieder bezugsfertig war. 
1943 wurde der Frühlingsgarten während eines Bombenhagels durch einen Volltreffer völlig zerstört. An meine Jahre als Kind vor der Zerstörung des Hauses kann ich mich noch gut erinnern. Meine Eltern wohnten im 2.Stock, die Familie "Mager" bewirtschaftete das Gasthaus.

Ein Bierkutscher, es war Herr "Trautner" vom Brauhaus Schweinfurt, kam 2-mal in der Woche mit seinem Pferdefuhrwerk zum Bier anliefern und hielt an der Gastwirtschaft. Ich half beim Abladen und durfte einige Zeit später alleine mit dem Pferdegespann auf dem Kutschbock sitzen. Eines Tages durfte ich sogar das Pferdegespann ganz stolz über die Ernst-Sachsstraße, weiter über die Viehrampe zur nahe gelegenen Eisenbahn-Kantine fahren, die sich im Schweinfurter-Eisenbahngelände befand. Als Dank bekam ich aus der Kantine ab und zu ein Wurstbrötchen. 
Das war dann für mich immer ein „Feiertag“.  
Im Hof war ein großer Biergarten mit vielen alten Kastanienbäumen, hier war auch mein Spielplatz als kleiner Junge.

Zum Main hatte ich nicht weit zu laufen. Dort traf ich mich oft mit Heinz Hofmann der mit seinen Eltern in einem Eisenbahnwagon neben dem Eisenbahner Sportplatz an der Gerolzhöferbrücke wohnte.

Am Ufer vom Main machten wir Schwimmversuche und im Frühjahr surften wir leichtsinnigerweise auf den treibenden Eisschollen. 
Auf der anderen Mainseite war das Freibad. Um dort hin zu kommen mussten wir mit einem Kahn über dem Main fahren. Das kostete einen Groschen den wir aber nicht hatten. Folgedessen schlichen wir uns über die Gerolzhöfer Brücke die aber für Fußgänger gesperrt war. Obwohl wir immer nach der Bahnpolizei Ausschau hielten kam es vor, dass wir flüchten mussten.

Ganz stolz war ich, als ich zum 1. Mal mit 8 Jahren über den Main schwamm.

Meine Schuljahre!

1937 wurde ich in die Dr. Ludwig-Pfeiffer-Schule in Oberndorf eingeschult.

Ein Jahr lang waren kath. Mädchen und Jungens in einer Klasse. Danach wurden Jungen und Mädchen getrennt. Warum, das erfuhren wir nicht.

 

Hier im Pausenhof. "Klein Rudi", vorne, schaut interessiert in die Kamera.

 

 

Als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach wurden in der Folgezeit nacheinander die jüngeren Lehrer eingezogen zur Front. Ständig hatten wir einen neuen Lehrer und sie wurden immer älter. Deshalb hatten wir keinen normal aufgebauten Lernunterricht mehr.
Ich kann mich noch an einen Lehrer erinnern der von Lothringen war. 
Sein Schlagwort war immer wenn ein Schüler unaufmerksam war: 
„Du Lausejunge, Du bist wohl verrückt geworden,  Du schreibst 2 Seiten ab für morgen“. 


Zwischendurch hatten wir längere Zeit einen vollbärtigen Lehrer mit über 70 Jahren. Was dieser Lehrer am besten konnte waren 6 Stockschläge auf die Hand oder auf dem strammgezogenen Hosenboden. Die Hände waren nach den Schlägen pelzig und wir konnten kaum noch den Griffel in die Hand nehmen.

Im ersten Schuljahr haben wir noch die „Deutsche Schrift“ geschrieben, danach kam die Umstellung zur heutigen Schrift.

Als der Krieg voll im Gang war, hatten wir kaum noch etwas Richtiges zu Essen. Das Pausenbrot war mit Kunsthonig bestrichen und schmeckte scheußlich. Meine Mutter musste Brot fechten, weil die Lebensmittelkarten-Rationen nicht ausreichten. Am Ende des Monates war die Lebensmittelkarte aufgebraucht und es standen nur noch Pellkartoffeln auf dem Tisch. Manchmal gab es Salzheringe dazu.

 In unserer Nähe vom Wohnhaus war eine Soldatengruppe mit ihrer Vierlingsflak auf einem Holzturm. 
Bei den Soldaten holte ich fast täglich altes, steinhartes Kommissbrot das sonst in den Mülleimer landete. Ich hatte ja gute Zähne und ich wurde wieder mal satt.

Aus unserer Hungersnot heraus klaute ich auf dem Acker Rüben und Kartoffeln, auch Nachbars Äpfel mussten dran glauben. Wenn ich nach Hause kam waren meine ersten Worte: Mama, ich möchte ein Fettbrot oder Zuckerbrot. Beim Zuckerbrot wurde das Brot unter der Wasserleitung angefeuchtet und dann Zucker drüber gestreut. Das war meistens mein Essen tagsüber.

Unser Spielplatz war auch die Viehrampe in der Ernst-Sachs-Straße. Hier wurden in regelmäßigen Abständen Panzer und Kriegsgeräte verladen. Soldaten schickten uns hin und wieder in die nahe gelegene Eisenbahn Kantine um Bier oder Zigaretten zu holen. So sollten wir wieder Mal für die Panzersoldaten Bier und Zigaretten holen, als wir mit der eingekauften Ware zurück kamen war leider der Zug mit den Soldaten abgefahren. Das tat uns richtig leid.

Schuhe und Bekleidung waren nur mit Bezugscheine zu haben. Aber den bekam man nur, wenn man etwas zum Schachern hatte, wie z.B. Zigaretten, Wurst oder Speck. 
Das wiederum hatten aber nur die Bauern. So ging ich vom Frühjahr bis in den Herbst hinein den ganzen Tag barfuss. Ja auch in die Schule gingen die meisten Schüler barfuss, ich auch.

Im Sommer und den ganzen Winter über bis zu meinem 16ten Lebensjahr trug ich eine kurze Lederhose, 
in Bayern genannt auch "Lederarsch". Im Winter trug ich lange Strickstrümpfe die am Oberschenkel mit einem Einmachgummi befestigt waren.

Die Schuhe im Winter waren meist abgelaufen und viel zu klein, deshalb habe ich immer wieder Frostbeulen an den Zehen bekommen die ständig juckten und im Schuh gedrückt haben.

Richtige Spielsachen hatten wir nicht. Ich schnitzte sehr viel mit meinem Taschenmesser kleine Schiffchen aus Rinde und dgl. Scheinbar wurde mir das Schnitzen in die Wiege gelegt, denn in späteren Jahren lernte ich die Bildhauerei.

Beliebt bei uns war auch das „Landausstecherles“. In einem Viereck wurde das Messer geworfen, in der Richtung der Schneide ein Strich gezogen, wer am Ende das meiste „Land“ hatte, hatte gewonnen.

Trotz dem ständigen Hunger ging es uns aber relativ gut bis der erste Bombenangriff im Frühjahr 1943 auf Schweinfurt folgte.

Auf  dem Haus in dem wir wohnten vielen Brandbomben und unsere Wohnung brannte aus. Einige Wochen lebten wir danach im Bunker (Schutzräume bei Fliegerangriffen) bis die Wohnung notdürftig in stand gesetzt war.

 

 

Die Flakstellung bei Oberndorf mit Blick zum Wasserturm am Bergl. 
7 Flakhelfer und 4 Soldaten starben hier in der Nacht am 25. Februar 1944

   

Nun lagen fürchterliche Jahre vor uns, ständig auf dem Sprung bei Bombenalarm. Fast jede Nacht heulten die Sirenen und wir rannten halb angezogen aus dem Haus zu dem uns zugeteilten Schutzbunker. Oft hörten wir die Bombengeschwader über unsere Stadt hinweg ziehen und waren froh, dass die Bombenladung nicht über uns abgeworfen wurde. Es kam auch vor, dass ich beim Bombenalarm nicht wach wurde, da packte mich meine Mutter unter ihrem Arm und schleppte mich zum Bunker.

Zum Schutz von Gasbomben wurden Gasmasken an die Bevölkerung verteilt, die in unserem Notgepäck sein sollten.

Nach einem Angriff standen Stadtteile verhüllt in Rauch, ganze Häuserreihen waren dem Erdboden gleich gemacht. Überall ertönten Hilferufe von Verletzten die teilweise noch unter den Trümmern begraben waren. Sanitäter suchten nach Verletzten und bargen die Toten die neben den Trümmern abgelegt wurden. 
Im Nachbarhaus kam meine Spielgefährtin „Lydia“ ums Leben. Danach war ich sehr traurig.  

Aufräumarbeiten nach Bombenangriff.

In einer lang gezogenen Baracke an der Gerolzhöfer Eisenbahnbrücke wohnten mehrere Familien mit Kindern. Eine Bombe schlug beim Angriff 1943 in diese Baracken ein und ich habe nach dem Angriff mit angesehen, wie man viele Tote, darunter auch Kinder, auf einem Lastwagen geladen hat. 
So viele Tote auf einem Haufen habe ich nie mehr gesehen. An solchen Tagen haben wir keine Lust mehr zum Spielen gehabt.

In der Schule, aber auch beim Spielen, kam kein Lachen mehr auf. Alle Menschen waren mehr oder weniger traumatisiert von den schrecklichen Geschehnissen.

Mein Vater hatte den 1. Weltkrieg bei der Kavallerie kriegsbehindert überstanden und musste deshalb nicht an die Front. Er war als Sanitäter in der Rettungsstelle in Schweinfurt eingesetzt und betreute nach einem Angriff die vielen Verletzten. 
Nebenan mein Vater bei einer Veranstaltung im 1. Weltkrieg.

 Bei dem "Deutschen Jungvolk"!

Seit meinem 10. Lebensjahr war ich als Kind bei der Hitler Jugend (HJ), genauer gesagt beim Deutschen Jungvolk (DJ). Ein richtiger Hitler Junge war man erst an 14 Jahren bis zum 18.Jahr. Also nach der Schulentlassung.
Ich selbst war nur 3 Jahre beim Deutschen Jungvolk. Als ich 13 Jahre alt war wurden wir bei einem Luftangriff auf Schweinfurt total ausgebombt und unsere Familie wurde evakuiert nach Niederlauer in der Rhön. In dem kleinen Bauerndorf gab`s keine Hitlerjugend bezw. Deutsches Jungvolk. 
                                                                                                      Meine 3 Jahre ältere Schwester war bei der BDM (Bund deutscher Mädchen).

Als beim ersten Angriff die Bomben fielen waren wir bei einem Langstreckenschwimmen im Main. 
Rings um uns herum waren die Bombeneinschläge. Wir schwammen schnell ans Ufer und versteckten uns hinter Weidenbüschen, in dem Glauben wir wären da sicher.

Gerne denke ich an die Zeit im Deutschen Jungvolk zurück. Ich war anfangs im Fanfarenzug, wechselte nach einigen Wochen aber zum Spielmannszug. Da war mehr Abwechslung und nicht nur das bum.bum..bumberumbumbum. Wir Musiker hatten eine Sonderstellung im Fähnlein 8. Wenn die anderen Pimpfe exerzierten übten wir neue Märsche.

Und wenn unser Fähnlein 8 andere Fähnlein wieder Mal besiegt hatten bei einem Wettkampf, dann rief unser Zugführer laut:
"Fähnlein 8 hat`s gemacht und alle Pimpfe dann laut: "Frundsberg ahoi"

An eine politische Beeinflussung erinnere ich mich nicht.

Im Gegenteil, das Interesse vieler Jugendlicher innerhalb der Hitler-Jugend wurde geweckt  durch verschiedene Aktivitäten wie Reiter-, Motor-, Flieger- und Nachrichten-HJ, auch Spielmannzüge fanden regen Zulauf. In diesen Gruppen stand die Technik und fachtypische Ausbildung im Vordergrund

Die HJ wurde 1926 als Jugendorganisation der NSDAP gegründet und wurde 1933 aufgegliedert in Hitler-Jugend (HJ) einerseits und dem Deutschen Jungvolk (DJ). Dem Jungvolk gehörten die 10 bis 14-jährigen an, der Hitler-Jugend die 14 bis 18-jährigen Jungen. 

Alle 10 bis 18 jährigen Mädchen und Jungen hatten seit 1939 an den Veranstaltungen der HJ gesetzlich geregelt teilzunehmen.

Das Jungvolk wurde auch als "Pimpfe" bezeichnet. Die Veranstaltungen  der Hitler-Jugend gliederten sich in Heimabende, Sportnachmittage, Tagesfahrten, Zeltlager, Feierstunden und Sportfeste auf. Die Schulungen fanden auf den Heimabenden statt und waren geschlechtsspezifisch differenziert. 

Die Mitgliedschaft in der Hitler Jugend war für jeden deutschen Jungen Pflicht, ganz selten gab es Verweigerungen oder Ausnahmen. Als ich 1940 in das Jungvolk eingegliedert wurde, trug ich ein braunes Uniformhemd, schwarze kurze Hose mit Koppelriemen und Schloss, dazu einen Schulterriemen. 
Alles begann sehr militärisch mit Strammstehen und Abzählen. Dann folgte meist eine theoretische Schulung über weltanschauliche oder militärische Themen. Geleitet wurde die Schulung von unserem Zugführer Otto Weidling 
Er ließ uns viel singen und oft wurden neue Marschlieder einstudiert. Wenn wir zu Übungen ins Gelände gingen, marschierten wir singend durch die Stadt.
In der Hitlerjugend wurde auf die Organisation der Jugendlichen viel Wert gelegt. Im Alter von zehn Jahren wurde unser Schuljahrgang 1930/31 komplett in das Jungvolk aufgenommen. Nach vier Jahren erwartete uns die Hitler-Jugend (HJ), danach der Reichsarbeitsdienst (RAD) und anschließend die Wehrmacht. 

Aufbau eines Zeltlagers in der Nähe von Schweinfurt.
In den letzten Kriegsjahren wurde die Hitlerjugend ab dem 14/15ten Lebensjahr zur Wehrmacht eingezogen.
Die Organisation war bis auf das Kleinste durchdacht, die Führerhierarchie stufenweise mit Rängen und Rangabzeichen aufgebaut: Der Bann waren alle 8 Fähnlein in Schweinfurt, das Fähnlein 8 die Jungvolkgruppen von Schweinfurt- Oberndorf. 
Als "Pimpf" trug ich die einfache Uniform. Ältere Pimpfe trugen bereits ein Rangabzeichen – eine Kordel an der linken Schulter.
Die Rangfolge lautete: Pimpf ohne Rangabzeichen, Jungenschaftsführer Rot-weiße Kordel, Zugführer grüne Kordel, Fähnleinführer grün-weiße Kordel.
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Gegenüber höheren Rängen bestand strenge Gehorsams und Grußpflicht, der "Heil-Hitler" Gruß. Dieser Gruß war in ganz Deutschland der Pflichtgruß. 
An den Sommerabenden ließ uns unser Zugführer oft vom Jugendheim zum Sportplatz in Oberndorf marschieren. 
Dort wurden meist Geländespiele durchgeführt. Wir wurden in Gruppen eingeteilt, die sich dann gegenseitig als Feinde ansahen und bekämpfen mussten. Jedem wurde ein blauer oder roter Wollfaden um das Handgelenk gebunden. Eine Gruppe verschwand mit Zeitvorsprung im Unterholz des nahen Mains und versuchte, sich dort zu verbergen. In Taschen und Körben sammelten wir Tannenzapfen sowie auch Kastanien. Das war unsere Munition gegenüber unserem angreifenden Feind.
Auf lauten Pfiff hin begann der Angriff der anderen Gruppe und damit ein Kampf von Mann zu Mann, bei dem es um den farbigen Wollfaden, auch Lebensfaden genannt, ging. War dieser erbeutet, so musste der Unterlegene den Kampf aufgeben und wurde zum Gefangenen.

Daraufhin wurde zum Appell gepfiffen, die Sieger wurden gelobt und geehrt, die Verlierer mitleidig belächelt, manchmal auch verspottet. 
Oft folgte eine Belehrung über den Sinn des Kampfes im Krieg wie im Frieden. Es hieß dann: Da der Stärkere ein größeres Lebensrecht als der Schwächere habe, müssten wir die Stärkeren sein. 
Das Hitlerzitat über die deutsche Jugend wurde unzählige Male zitiert: 
"Hart wie Kruppstahl – zäh wie Leder - flink wie die Windhunde"...     sollte der deutsche  Hitlerjunge sein.


 .   Unser Zugführer mit 2 Pimpfe.

Meine 2 besten Freunde zu dieser Zeit waren Hans Schwarz  und Fred Reichenberger die gleichzeitig zu dieser Zeit mit mir zusammen im Spielmannszug waren. Fred hatte die Querpfeife, Hans und ich die Marschtrommel.

Eines Tages sammelten wir uns am Fußgängersteg zum Hauptbahnfof  für einen Marsch durch die  Adolf-Hitler-Straße zum Marktplatz, so war seinerzeit die heutige Spitalstraße genannt. Ein älterer Straßenfeger kam auf uns zu und sagte, er wollte doch auchmal trommeln. Er durfte uns vorspielen und mit Erstaunen stellten wir fest, es war ein „Könner“. 
Der Vater von unserem Zugführer war der einflussreiche Kreisleiter von Schweinfurt, der bestellte diesen Mann 2-mal in der Woche als Übungsleiter ins Jugendheim

Bei den großen Aufmärschen in der damaligen Adolf-Hitler-Str. vor dem Kreisleiter und anderen Prominenten, mussten wir vorneweg marschieren und schwenkten gegenüber der Prominenz ein um alle  8 Fähnlein vorüber ziehen zu lassen.
Es war eine schöne Zeit. Wir waren in Zeltlagern und Freizeitlagern.
Auf dem Sportplatz vom TV Schweinfurt- Oberndorf hatten wir leichtathletische Wettkämpfe. Bei einem 
5 km Geländelauf war ich der einzige Pimpf der mit dem Zugführer aber auch mit starken Seitenstichen im Ziel ankam. Wie es die Zeit will, in meinem späteren Leben war ich erfolgreicher Langstreckler bei Bayer 05 Krefeld-Uerdingen.

Oft wurden auch Boxkämpfe durchgeführt. Die 2 stärksten in der Schulklasse mussten immer gegeneinander boxen, das war Walter Weid und ich. Meist war der Kampf unentschieden.  

In den Sommerferien 1943 waren wir im KLV-Lager (Kinderlandverschickung) auf der Bettenburg bei Hofheim (Hassberge). Der gut erhaltene alte Rittersaal war unser Essraum. Ringsum an den Wänden waren Fresken von Rittersleuten. Auch das Verlies mit der ehemaligen Folterkammer fand unser Interesse.
In den Stockwerkbetten waren Strohsäcke eingelegt. Auf den Zimmern schliefen etwa 8-10 Jungens.
Eines Abends, wir waren gerade im Bett gelegen, raschelte es in einem Strohsack. Alle waren sofort hellwach und der Strohsack in dem es raschelte war auch gleich ausgespäht.
Wir stellten fest, in diesem Strohsack hatte sich eine Maus versteckt.
Nun zerrten wir den Strohsack auf den Fußboden und strampelten mit mehreren Jungens darauf rum bis sich nichts mehr bewegte.
Ans Einschlafen war danach nicht gleich zu denken, alle lauschten ganz still, es könnte ja noch eine Maus im Zimmer sein.

In den Nächten bei den Bombenangriffen auf Schweinfurt standen wir auf der  Burgmauer und sahen mit bewegten Gesichtern die vielen Scheinwerfer am Himmel über Schweinfurt. Starker Rauch stieg auf unter den Lärm der explodierenden Bomben. Still und nachdenklich gingen wir danach auf unsere Zimmer in Gedanken an unsere Eltern die ja in Schweinfurt wohnten.

Wir hatten eine „Lagermutti“ die wir alle mochten, weil sie uns sehr zugetan war.
Nach vielen Jahren las ich in der Zeitung, dass Frau Weschenfelder, also unsere ehemalige Lagermutti,      100 Jahre alt geworden ist. Ich besuchte sie ein paar Tage später in einem Altenheim in den Haßbergen und überreichte ihr Blumen. Ein paar Bilder von der Bettenburg aus der alten Zeit hatte ich auch dabei,            sie konnte sich
an viele Begebenheiten erinnern und freute sich sehr. .  
 
                    "Burgfest 2009 auf der Bettenburg, ehemalige Schüler waren anwesend".

Mittlerweile war unsere Schule in Schweinfurt von den Bomben zerstört. Die Ferien waren um und unsere Klasse wurde in einer Gastwirtschaft in Oberlohrgrund im Spessart verlegt. Ich erinnere mich, fast jeden Tag gab’s Griesbrei oder Reisbrei mit Zucker und Zimt darüber gestreut. Als Gemüse mussten wir junge Brennnesselblätter pflücken. Der Unterricht war im Gastraum das war zugleich der Essraum. Im Sommer gingen wir zu Fuß in das 6 km entfernte Freibad nach Heigenbrücken. Der schneereiche Winter machte uns viel Freude. Mit Fasstauben, wie Luis Trenker, unternahmen wir die ersten Ski Versuche.  
Ich erinnere mich an unserem Friseur in Heigenbrücken. Der schnitt nicht nur unsere Haare, sonder zog auch Zähne ohne Betäubung mit einer ganz normalen Beißzange. Wir konnten sogar zusehen.
 

Ausgebombt nach Niederlauer!

Am 17. August 1943 wurde unser Wohnhaus bei einem Volltreffer total zerstört. Schweinfurt war bis Kriegsende bis zu 80% zerstört. Wir hatten nur das was wir auf dem Leib trugen. Meine Eltern wurden  nach Niederlauer bei Bad-Neustadt/Saale evakuiert und in einem Bauernhof untergebracht. Ich wurde vom KLV-Lager Oberlohrgrund 1944 nachgeholt.    
                                    
Nun wohnten wir in einem Dorf, auf einem Bauernhof und hatten wieder nichts zu essen, obwohl die Grundnahrungsmittel wie Mehl, Milch, Butter, Gemüse, Kartoffel usw. im Überfluss da waren.
Die Dorfbevölkerung sträubte sich uns „Ausgebombten“ zu akzeptieren. Meine Mutter musste auch hier wieder um Brot betteln. Regelmäßig waren in Niederlauer Schlachttage bei den Bauern. Bei einigen Bauern konnte meine Mutter mit der Alu-Milchkanne Gretelsuppe holen. Als dann meine Mutter nach Hause kam war sie enttäuscht, weil die Bäuerin das Fett vorher abgeschöpft hatte. Obwohl in dieser Suppe ja die Wurst gebrüht wurde, hatte kein Bauer Mal ein Leberwürstchen drinnen gelassen.                                                                         
In den Bauernhäusern war seinerzeit noch keine Wasserleitung, man musste ein ganzes Stück laufen um am Dorfbrunnen mit dem Eimer Wasser zu holen.
Auch Toiletten gab's nicht in den Wohnhäusern. Das Aborthäuschen war neben dem Misthaufen im Hof.

    Es ist die Zeit nach dem Krieg bis zur Währungsreform. Unmittelbar nach der Kapitulation brach auch die Versorgung vor allem in den großen Städten so drastisch zusammen, dass die Stadtbevölkerung nichts mehr zu Essen hatte. Wenn in den Städten auch viele Häuser zerstört waren, so hatten die Geschädigten doch einige Habseligkeiten retten können. Mit diesen Sachen ging man aufs Land, um sie gegen Brot, Milch Speck, Fleisch, Wurst usw. einzutauschen.

Die Bauernfamilien gingen am Sonntag mit bester Bekleidung zur Kirche. Wir mussten uns fast schämen mit unserer alten abgetragenen Kleidung. Im Sommer ging ich barfuss in die Kirche. Na klar, Bauern hatten mit ihren Nahrungsmitteln alle Möglichkeiten Kleider, Schuhe und Zigaretten zu tauschen.  
Sonntags, auf dem Wege zur Kirche konnte man beobachten, wie Bauersfrauen am Pfarrhaus klingelten und ein Päckchen Schinken, Butter und dgl. für den Pfarrer unter ihren Röcken hervor holten.

Wir kamen uns vor wie Menschen 2. Klasse in Niederlauer. Diese Begebenheit habe ich nie mehr in meinem Leben vergessen.

In Schweinfurt hatten wir nicht viel gelernt da die Lehrer mitten im Schulunterricht an die Kriegsfront geschickt wurden. Mein letztes  Schuljahr mit der  8. Klasse habe ich in Niederlauer beendet.
Es gab hier nur 2 Klassenräume. In dem einen Raum waren die Klassen 
vom 1. bis zum 4. Schuljahr und im anderen Raum die 5. bis 8. Klasse.

In Folgedessen habe ich im letzten Schuljahr auch nicht viel dazu gelernt. Meine Weiterbildung habe ich in den späteren Jahren in Eigeninitiative vorangetrieben.

Es herrschte noch Krieg, in der Nähe von Niederlauer war ein Gefangenenlager der Russen. Obwohl es unsere Feinde waren, war ich oft am Zaun und gab den Gefangenen von mir aufgesammelte Zigarettenstumpen und hin und wieder auch mal ein Stück Brot. Das durften die Aufseher aber nicht sehen. Als Gegenleistung bekam ich ein von den Gefangenen selbst hergestelltes Taschenmesser welches aus einem Sägeblatt von einer Gattersäge hergestellt wurde. Tagsüber waren diese Gefangenen in einem Sägewerk beschäftigt. 


Die alliierten Bombengeschwader zogen nachts über das Dorf hinweg und warfen ihre leeren Reservetanks ab. Es waren längliche, ovale Blechkanister mit einer Länge von ca. 3 m. Mit Hammer und Meisel hämmerten wir ein rundes Loch in den Tank, beschwerden den Tank mit Steinen und baddelten damit in der Lauer und Saale.   

In den Sommerferien musste ich bei der Ernte bei den Bauern helfen. So auch beim "Dreschen".  
Für diese 6 Wochen Feldarbeit von morgens bis abends spät bekam meine Mutter am Ende 25 kg Mehl. Das war alles.

Nachdem das Getreide im Spätsommer eingefahren war, musste es noch gedroschen werden. 
Es gab in Niederlauer seinerzeit nur eine große Dreschmaschine, die wurde mit etwa 20 Mann von einem Hof zum anderen gezogen. Beim Dreschen halfen sich die Bauern gegenseitig. Meistens dauerte das Dreschen nur einen Tag. Bei den reichen Pferdebauern auch 2 Tage. 
Die jungen Männer waren nach Kriegsende alle noch in Gefangenschaft. Deshalb musste ich mit meinen gerade mal 14 Jahren die schweren Doppelzentnersäcke gedroschenen Getreide  von der Scheune ins Bauernhaus hoch auf dem Speicher unters Dach schleppen. 
Das war absolute Schwerstarbeit für einen 14-jährigen, aber ich war trotzdem stolz, dass ich diese schwere Männerarbeit verrichten durfte.
Zwischen dem Dreschen war 2-mal Brotzeit. Es gab extra für das Dreschen gebackene Brötchen mit reichlich Wurst (rot und weißgelegten Pressack) und Käse. Wurst... Käse... der ganze Tisch war voll gedeckt. Meine Augen liefen über...
Alle Helfer haben schon aufgehört zu Essen, ich war ja ausgehungert und ich aß und aß. Die Bauern und vor allem die Bäuerinnen schauten erstaunt mir zu. Es war mir egal. Ich wusste ja, morgen gibt es wieder "Kunsthonigbrot". Am Ende waren es annähernd 10 Brötchen dick belegt mit Wurst und Käse, die ich mir einverleibte.  

In Niederlauer gab es eine "Freiwillige Feuerwehr", es war aber Pflicht für jeden Bürger an den Löschübungen teilzunehmen.

Ostern 1945 wurde ich mit 14 Jahren aus der Volksschule entlassen. Tage vorher kamen die Granateneinschläge der amerikanischen Panzer immer näher. Plötzlich sahen wir die Panzer auf das Dorf zurollen. 
2 blutjunge Soldaten, sie wollten sich noch das EK I für Adolf Hitler verdienen, liefen mit ihren Panzerfäusten den Panzern entgegen. Sie verschanzten sich am Ortseingang hinter einem Holzstabel. 
Als wir nach dem Einmarsch der Amerikaner zu den Soldaten hin kamen, waren beide tot. Der eine Soldat hatte einen Herzschuss durchs Soldbuch hindurch, beim anderen war durch ein Explosivgeschoss der halbe Kopf weggerissen. Das Gehirn war an die Balken verspritzt. 
Ein Kriegsgefangener Pole schwenkte die weiße Fahne, dem Zeichen keinen Widerstand zu leisten. 
Das halbe Dorf musste geräumt werden und die Bevölkerung wurde in den verbleibenden Häusern einquartiert. 
Es dauerte etwa eine Woche bis die amerikanischen Soldaten wieder weiter zogen.          
Ich hatte zu dieser Zeit einen Lehrvertrag als technischer Zeichner bei der VKF (Vereinigte Kugellager Fabrik) in Schweinfurt. Zu dieser Zeit zog der Amerikaner in Bayern ein und der Krieg war aus. 
In Schweinfurt wurden sämtliche Maschinen demontiert und ins Ausland verfrachtet. 
Mit meinem Lehrvertrag in der Tasche konnte ich eine Lehrstelle  in Schweinfurt nicht bekommen, es war aussichtslos.  
Nach meiner Lehre als technischer Zeichner wollte ich weiter die Schule besuchen, mein Ziel war vielleicht Architekt oder  Bauingenieur.
 

Arbeit als Knecht beim Bauer!

Weil es mit einer Lehrstelle nichts wurde, sagte mein Vater deshalb zu mir, "einen Faulenzer zieht er nicht groß" und so schickte er mich zu einem Dorfbauer und dort arbeitete ich als Bauernknecht. Hier arbeitete ich seit meiner Schulentlassung das ganze Jahr über nur fürs Essen. 
Ich war den ganzen Tag auf dem Acker mit allen Arbeiten die auf dem Feld in einer Landwirtschaft zu der damaligen Zeit anfielen. Die heute üblichen Landwirtschaftmaschinen gab's seinerzeit nicht. 

So musste das Unkraut zwischen den Saatreihen mit der Hacke von Hand entfernt werden, das Getreide und Gras mit der Sense geschnitten werden, die Kartoffeln wurden von Hand gelesen, der Stallmist von Hand auf dem Acker verstreut und einige Arbeiten mehr die heute alle mit Maschinen verrichtet werden.
Morgens um 6 Uhr musste ich die Kühe füttern, danach arbeitete ich auf dem Feld sowie auch im Stall und Scheune, alles ohne Schuhe, also barfuss. So war es nur eine Frage der Zeit bis eines Tages eine Kuh mich beim Pflügen auf meinen nackten Fuß trat, was sehr schmerzte und dachte, der Fuß ist jetzt sicher platt.
Obwohl meine Fußsohlen voller Hornhaut waren, konnte ich abends einige Zeit damit verbringen die Disteldornen an den Füßen zu entfernen.

Ungewohnt für diese Arbeiten als 14 jähriger kam ich abends hundemüde vom Feld zurück.
An Feierabend war aber noch nicht zu denken, denn die Kühe musste ich ja auch noch füttern.

In Niederlauer war zu meiner Zeit die "Fronarbeit" für jeden Bürger Pflicht. Es mussten 70 Stunden im Jahr pro Einwohner Dorfarbeit geleistet werden. 
Es gab einen so genannten "Dorfschreier", er hieß "Käse- Kilian", der lief durchs Dorf mit einer Glocke in der Hand und rief die neuesten Nachrichten aus. So z.B.: "Morgen geht's naus die Flur". Wer Zeit hatte nahm diesen Termin war um seine Stunden ab zu arbeiten. Ich erinnere mich, dass ich meine Stunden auf der Dorfstraße beim Steine klopfen abgeleistet habe. Asphaltstraßen gab es nicht im Dorf.
Der Gemeindeschreiber notierte die unentgeltlich geleisteten Stunden.
Kaum jemand im Dorf hatte seinerzeit einen "Volksempfänger" und TV gab's erst viele Jahre später.
 

Während des Krieges bis nach der Währungsreform 1949 fuhren die Lkws wegen Spritmangel mit Holzvergaser. Hinter dem Führerhaus war ein großer Kessel montiert der mit klein geschnittenem Holz gefeuert wurde. Dementsprechend langsam waren diese Fahrzeuge.

Oben an einem Berghang war ein Wassergraben der sogenannte "Hühnergraben". Hier luden die Amys mit ihren Lkw's fast stündlich ihren Müll ab.
Wir Jungens waren täglich dort und wühlten im Müll nach essbaren Lebensmittel. Halbverfaulte Orangen und Bananen, Geschirr und sogar meinen ersten Fotoapparat nahm ich mit nach Hause.
Hier im Müll sah ich zum ersten Mal Bananen und Orangen in meinem Leben.

Meine Lehrzeit

Anschließend im Herbst 1945 ging mein Vater mit mir zum Arbeitsamt nach Bad-Neustadt um für mich nach einer Lehrstelle anzufragen. Es waren nur 2 Stellen frei. Eine  Spengler- und eine Schreinerlehrstelle. 
Mit Blech arbeiten wollte ich nicht dann lieber mit Holz. Und so lernte ich in Bad-Neustadt Schreiner obwohl mir was anderes vorschwebte. 
Das Kriegsende hat mir all meine Pläne und Weichen für mein späteres Leben versaut.

Die 7 km von Niederlauer nach Bad-Neustadt zu meiner Lehrstelle legte ich in meinen Lehrjahren zu Fuß zurück. Jeden Tag 14 km. Später hatte ich ein altes Fahrrad ergattert mit abgefahrenen Reifen. Der Reifen auf der Felge war unterlegt und übergelegt. Bei jeder Radumdrehung flutschte die Überlage mit Geräusch durch die Gabel und das Rad hoppelte auf dem Pflaster.                      
Im ersten Lehrjahr bekam ich 3 RM (Reichsmark) im zweiten Jahr 5 RM und im dritten Lehrjahr 7 RM die Woche.
Meine Lehrstelle war alles anderes als rosig. In den ersten 2 Jahren fertigte ich nur Särge, weil die Schreinerei auch Beerdigungen machte. Die Frau von unserem Meister war Hebamme, sie brachte die Kinder zur Welt und ihr Mann wieder unter die Erde. Unser Lehrmeister schon über 65 Jahre war ein richtiges Bist. Wo er uns schikanieren konnte tat er es auch.
So hatten wir normalerweise Samstag um 13 Uhr Feierabend, kurz vor Schluss fehlte auf einmal ein Fräsmesser. Er lies uns bis abends 18 Uhr suchen und schimpfte uns aus. Das tollste, am Montagmorgen wenn wir für die Frau des Meisters Holz und Kohle in die Küche auf der ersten Etage brachten, lag das Fräsmesser auf der Fensterbank und weil ich diesbezüglich etwas zum Meister gesagt habe bekam ich eine Watsche. Schläge gab's immer wieder auch für Kleinigkeiten. 
Im Sommer mussten wir Lehrlinge oft auch im Garten arbeiten, Umgraben, Unkraut schuffeln, Kartoffel ernten usw.  

Meine Mutter ging immer noch Brot im Dorf fechten und ich mit meinen 16 Jahren hatte immer noch  keine richtige Kleidung und lief immer noch mit meiner alten kurzen speckigen Lederhose herum. 
Neidisch sah ich täglich auf Valentin den Bauersohn, der mit mir in der Lehre war, wie gut er angezogen ankam und in unserer Mittagszeit seine Butterbrote mit weißem Pressack belegt, verzehrte. 
Und ich kaute an meinem „Kunsthonigbrot“…

Meine Lehrzeit war 1949 zu Ende.  

Sportliche Aktivitäten in Niederlauer!  
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Mit 14 Jahre wurde ich von dem Fußball-Vereinvorsitzenden des TV von Niederlauer animiert in der 
1. Mannschaft Fußball zu spielen. Von den älteren Spielern waren noch viele in  Gefangenschaft.
Mit meinem Mitspieler Fritz Braun verstand ich mich von Anfang an sehr gut. Er war kein Bauernsohn, im Laufe der Zeit wurden wir sehr gute Freunde.

In Niederlauer waren mein Freund Fritz und ich die ersten die nach der Währungsreform ein Motorrad kaufen konnten. 
Fritz 1950 und ich 1951. Beide fuhren wir eine 250er Triumph mit Doppelkolbenmotor. 
Sie hatte 18 PS und war 118 km schnell.

Mein erster gemeinsamer Motorrad Urlaub mit Fritz war die Hochalpenstraße vom Bodensee zum Königsee. Unser Zelt zum Übernachten bauten wir uns aus 3 Dreieckplanen aus der Wehrmachtzeit. Stroh zum Schlafen besorgten wir uns bei den Bauern.

 

Zur Winterzeit fuhren wir zum Schilaufen mit der „Böscheme Bimmelbahn“ von Bad Neustadt nach Bischofsheim in der Rhön. Zu Fuß und mit den Skiern auf den Schultern ging es durch Haselbach bis hoch zum Kreuzberg zum bekannten „Blick“. Auf der Abfahrt durch die „Fischzucht“ waren wir bekannt als  
„Die Wildsäue von der Rhön“. 

Fritz und ich  spielten gerne in der Niederläurer Tischtennismannschaft die nach dem Krieg gegründet wurde. Bei der Kreismeisterschaft spielten wir im Einzel und Doppel zusammen.

Der Fußballplatz in Niederlauer wurde ca. 1950 erweitert. 
Er war damals so klein, dass sogar beim Einwurf der Ball mitunter ins Tor ging.   
Dazu wurde eine ca. 800 Jahre alte Eiche (sie wurde Adolf Hitler-Eiche genannt) von den Amerikanern mit Panzerminen gesprengt. 
Freiwillige Helfer, klar war ich auch dabei, arbeiteten an der Platzvergrößerung mit den einfachsten Hilfsmitteln. Mit Schubkarren wurde das Erdreich abgetragen. Baumaschinen gab’s seinerzeit nicht.

Zum  Einweihungsfest spielte die Oberliga Mannschaft des 1.FC-Schweinfurt 05 gegen den VfL Bad-Neustadt. 
Dazu spielte die Musikkapelle von Niederlauer, in der auch ich mitspielte.  

In dieser Kapelle spielte ich bei Kirchenmusik die Trompete und wenn die Tanzmusik spielte, dann saß ich am Schlagzeug. Den „Takt“ dafür den hatte ich ja noch aus meiner Zeit als ich in der Hitlerjugend im Spielmannszug spielte.  
Auch eine kleine Tanzkapelle mit 5 Mann gesellte sich nach dem Krieg dazu in der ich der Schlagzeuger war.

 


Ein Schlagzeug kaufen war seinerzeit nicht möglich, so halfen wir uns selbst. Die Tretmaschine, die Triangel und der Jazzbesen hat mein Schwager Anton als Werkzeugmacher hergestellt. Ich selbst die Gestelle für die Trommeln und anderes Zubehör.
Es waren ja noch die Jahre vor der Währungsreform in denen es einfach nichts zu kaufen gab.  
Kurze Zeit war ich auch Mitglied als Schlagzeuger in einem Orchester in Bad-Neustadt. Leider bin ich dann beruflich ins Rheinland gezogen. Nun konnte ich keine Musik mehr spielen, deswegen war ich sehr traurig.

Die Dorfkinder in Niederlauer konnten alle nicht schwimmen als ich nach Niederlauer kam. Mit der Zeit lernte ich meinen Mitschülern und auch den älteren Jungen in der "Fränkische Saale" das Schwimmen.
In meiner KLV-Lagerzeit 1944 in Oberlohrgrund wurde ich in Würzburg Gaumeister im 100 m Brustschwimmen. 
Auch in Bad-Neustadt bei den Kreismeisterschaften 1947 über 100 m Brust war ich erfolgreich. 
Im Bad-Neustädter Freischwimmbad war ich in meiner Freizeit Rettungsschwimmer bei der Wasserwacht.

1947 bekam ich auf Bezugschein meinen ersten Anzug und meine ersten guten Schuhe. Leider waren mir der Anzug und die Schuhe viel zu groß. (siehe Foto mit meiner Schwester). Das Geschäft in Bad- Neustadt hatte damals nur einen Anzug zur Auswahl. 
Kaum war die Währungs-Reform vorbei, da konnte man in den Geschäften alles kaufen, was das Herz begehrte, auch Anzüge hingen zur Auswahl am Haken. "Ein Schelm der dabei an "Schlechtes" dachte..."

Leider hatte man nach der Währung kein Geld. Jeder Bürger hatte als Startkapital nur 40,- DM auf die Hand bekommen.

Obwohl wir in all den vielen Jahren nur die einfachsten Grundnahrungsmittel zu essen bekamen, wurden wir dennoch „groß und stark“ und haben unsere Leistung in unserem Leben gebracht.

Aus meiner heutigen Sichtweite wurde es mir zu dieser Zeit schwer gemacht ein ordentliches Selbstbewusstsein aufzubauen. In der Hitlerjugend wurde man gedrillt, in der Schule geschlagen und in der Lehre unterdrückt. Dazu kamen noch die Geschehnisse bei den Bombenangriffen.
Es dauerte einige Jahre bis ich mich von all diesen Erlebnissen befreien konnte. 

In meinem Gedächtnis sind sie aber geblieben.  

 

               
                    
 
     1954 heiratete ich in Duisburg Lieselotte, unsere Tochter heißt Diane.   

Eine Begebenheit sei noch erwähnenswert:
Als ich 1967 von Duisburg aus meine Eltern in Niederlauer besuchte, lag mein Vater in Bad-Kissingen im Krankenhaus. Ich besuchte ihn am Krankenbett und am selben Abend verstarb mein Vater mit 74 Jahren. 
1991 besuchte ich meine Mutter dieses Mal von Krefeld kommend. Sie lag im Bett, machte die Augen auf und nickte mir zu. Eine Stunde später war sie tot, 98 Jahre alt ist sie geworden.
Ich bekam den Eindruck, beide warteten nur darauf mich noch einmal zu sehen.

Zitat:
„80“ ist… als wenn man einen der größten Berge im Himalaja besteigt,
man weis nicht wann und ob man überhaupt hoch kommt.
(sagt meine Erfahrung)
Hat man aber den beschwerlichen Gipfel erreicht, kommt kein Glücksgefühl auf wie in den Bergen denn… „Der Abstieg“ könnte noch beschwerlicher sein als der Aufstieg…

(Ist nicht von Schiller und nicht von Goethe, sondern vom Rudi)                                                              

Lieb gewonnene Orte können wir wieder aufsuchen...
lieb gewonnene Zeiten entfernen sich von Jahr zu Jahr
 

Stationen von meinem späteren Arbeitsleben:
Bad - Neustadt/Saale 5 Jahre
Stuttgart - Leinfelden 1 Jahr
Stuttgart - Zuffenhausen 1 Jahr
Forbach im Schwarzwald 1 Jahr
Frankfurt 1 Jahr
Duisburg 18 Jahre
Oberstdorf 1 Jahr
Krefeld 18 Jahre bis zu meinem Ruhestand

Die Idee, meine Erlebnisse aus dieser Zeit nieder zu schreiben, hatte ich an meinem Caravan.                             
Campingplatz Sulzfeld, den 24. April 2009  

Die Vergangenheit holt mich ein:
2010 habe ich durch Zufall Kontakt bekommen mit meiner 10 Jahre jüngeren Cousine Armella mütterlicherseits, 
die einen Amerikaner geheiratet hat und in Amerika wohnt.
Obwohl ich ihr mehrfach geschrieben habe, bekam ich bis heute keine Antwort.
Ein Jahr später erfuhr ich von meiner zweiten Cousine aus Deutschland, dass Armella meine "Kriegsjahre" gelesen hat. 
Und weil ich als Kind beim "Deutschen Jungvolk" (DJ) war, meint meine Cousine und ihr Mann ich wäre ein "Nazi", deshalb bekomme ich keine Antwort.
Es sind doch alle Kinder ab 10 Jahren im "Deutschen Jungvolk" eingegliedert worden.
Darüber bin ich sehr traurig.

Meine Bergtouren:  www.MountainRudi.de 
Meine Bildhauerei:  www.KreativmitHolz.de

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                                              Es folgen Bilder aus dieser Zeit:
                            Schweinfurt im Bombenhagel der Alliierten!


Schweinfurt wurde zu 80% zerstört.


Hauptbahnhof vor der Zerstörung am 17. August 1943


Der neu erbaute Hauptbahnhof nach dem Krieg


Hauptbahnhof nach einem Bombenangriff


Am Güterzugbereich


Neben Fichtel & Sachs die Ruine unseres Wohnhauses


Rechts Fichtel & Sachs, im Hintergrund der Luftschutzbunker


Hier an dieser Tankstelle stand der "Frühlingsgarten" in dem wir wohnten


Diese Lokomotive Reparatur-Werkstatt an der Drehscheibe besuchte ich als Kind sehr oft.
Von einem Schlosser der mich scheinbar mochte, bekam ich selbst gegossene Bleisoldaten geschenkt.


Eine alte Rangierlok


Werkstättengelände nach einem Bombenangriff, im Hintergrund der Fußgänger Übergang


Im Hintergrund gut zu sehen der Fußgängersteg.


Fußgängersteg von der Ernst-Sachsstraße zum Hauptbahnhof.
Hier standen wir immer im Rauch einer darunter vorüber fahrenden Lokomotive.


Da kommt wieder "eine", schnell hinein in den Qualm....

       
Aufstieg von der Ernst-Sachsstraße                                                         Am Ende des Steges


Blick zur Werkskantine der Eisenbahn


Einfahrt zur "Verladerampe"


Pausenhof an der Volksschule Schweinfurt-Oberndorf vor der Bombardierung.


Einschulung 1937 kath. Mädchen und Jungens. Unten rechts klein Rudi.


Einschulung 1937 ev. Mädchen und Jungens


Unser Jugendheim in der Hitlerjugend Zeit.


 In diesem Anbau übten wir mit dem Spielmannszug des Fähnlein 8 die neuen Märsche.


1943/44 im KLV- Lager auf dem "Schloss Bettenburg" bei Hofheim in den Haßbergen.


Schlosshof


Von weitem sichtbar: Die Turmseite


Die achthundertjährige Eiche in Niederlauer, genannt auch "Adolf - Hitler - Eiche"
 wurde von den Amerikaner mit Panzerminen gesprengt wegen Sportplatz Erweiterung


Bürgermeister Volkmuth war auch anwesend.

     
und viele Zuschauer


Die Niederläurer Blaskapelle 1947 in der ich Trompete spielte bei Kirchenmusik
und Schlagzeug bei Tanzmusik.


Besuch bei Freunden



Die erste Fußballmannschaft des SV- Niederlauer 1946 in der ich "Halbrechts" spielte.


Werksfussballmannschaft in Duisburg bei Mannesmann


Hier die Familie 1947 mit meinem ersten neuen Anzug der leider zu groß war.

Hier kommen teilweise sehr alte Fotos!

                  
             Meine Mutter auf meinem Spielplatz..............mein Schwesterchen "Walburga", sie wurde nur 2 Jahre alt.

                          
      Mein Vater im 1. Weltkrieg..                                          bei einer Veranstaltung

 
Sanitäter an der Rettungsstelle in Schweinfurt- Oberndorf während des 2. Weltkrieges.
Auch mein Vater ist mit dabei.

Soldaten im 1. Weltkrieg mit meinem Vater.

 

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