Diese Rundtour
um das Matterhorn ist in dem Buch von Luis Trenker/Helmut Dumler beschrieben.
Touristische Angaben:
Mehrtägige
hochalpine Tour, Seil, Steigeisen, Eispickel, Beherrschung von Kompass
und Höhenmesser.
Insgesamt zu bewältigen etwa 3500 Höhenmeter, Wegstrecke ca. 80 km,
wovon 22 km über Gletscher verlaufen.
Im Buch angegebene Zeit: 6 - 7 Tage.
.
Marcel war gerade 5 Jahre alt
als ich mit ihm die ersten leichten Bergtouren unternommen habe. Es
folgten klassische Klettersteige in den Dolomiten und bei Zermatt
bestiegen wir seinen erster Viertausender. Mit zunehmenden Alter
wurden die Berge immer höher. Marcel war immer mit Begeisterung beim
Bergsteigen und Klettern dabei.
Ich kannte Marcels Stärke und wusste immer
was ich ihm zutrauen konnte und dementsprechend habe ich unsere Bergtouren
Monate vor unserem Urlaub geplant.
Als ich Marcel meinen
Plan mitteilte, eine Rundtour um das Matterhorn mit ihm zu machen, war er
sofort mit Begeisterung dabei.
Und hier schildere ich unsere Erlebnisse.
.
Unser Standort war der Campingplatz in Täsch, 7 km vor dem
autofreien Zermatt.
Am ersten Tag fuhren wir morgens mit der ersten Zahnradbahn nach Zermatt.
Der Weg zur Seilbahn um auf das
kl. Matterhorn zu fahren, führte uns durch das noch schlafende Zermatt.
Mit der ersten Seilbahn schwebten wir mit Blick auf die wunderschön gelegenen
Gandegghütte hoch auf das kl. Matterhorn 3898m
Das Wetter war gut und unser erstes Ziel war das 4171 m hohe Breithorn.
Ein langer feuchter Gang durch den Gipfelaufbau des kl.Matterhorns brachte
uns auf den sonnenüberfluteten Theodulgletscher.
Nach etwa 2 Std. Wanderung auf dem flachen spaltenfreien Gletscher mussten
wir nun unsere Steigeisen und den Eispickel auspacken um die steile Flanke
zum Breithorn anzugehen.
Das Breithorn nennt man auch einen
"Damenviertausender", weil es unschwierig zu besteigen ist. Das
schließt aber wiederum nicht aus, dass tunlichst eine gewisse
Bergerfahrung vorhanden sein sollte.
.

.
Nach kurzer Gipfelrast rüsteten wir uns wieder für den Abstieg, denn wir
hatten noch einen langen Weg vor uns.
Wir querten den Theodulgletscher um zum 3480 m hohen Theodulpass auf der
italienischen Seite zu kommen. Hier fuhren wir mit der Seilbahn runter
nach dem ital.Schiort Breul/Cervinia auf 2006 m.
Meine Planung war hier zu übernachten um am anderen Tag die lange
Wanderung nach Valtournanche in Angriff zu nehmen.
Wir hatten aber Glück,
denn 2 ital. Skifahrer, die wir in der Seilbahn kennen lernten, nahmen uns
in ihrem Auto mit bis Valtournanche. Unsere Trinkflaschen waren leer, wir waren
vom besteigen des Viertausender ausgebrannt. In einem Lokal an der Ecke
füllten wir unsere Flaschen mit Wasser aber nicht bevor jeder von uns 2
Flaschen getrunken hatten.
Ein kurzes Gespräch mit meinem Burschen zeigte mir, dass er noch fit
genug war um den langen eigentlich 2.Teil der Umrundung sofort angehen zu
können. Es war ein langer Wanderweg ständig bergauf zum "Lago di Cignana" auf 2614m.
Direkt am See übernachteten wir im Rif. Barmasee das sich auch "Berghotel" nannte.
Preiswert übernachten und seine eigene Brotzeit auspacken, konnte man auch
in einer Hütte in der Nachbarschaft. Wir aber waren auf das Rif. Barmasee
angewiesen, weil wir nichts mehr zu Essen im Rucksack
hatten. Dementsprechend war dann auch der Preis.
Abendessen a la cart, Übernachtung, Frühstück für 2 Personen umgerechnet
etwa 100 DM.
Für eine einsame Berghütte ganz schön teuer.2.
Tag! (Laut Buch wäre es schon der 3. Tag).
Am frühen Morgen brachen wir auf zum nächsten Ziel, dem "Hotel Prarayer"
am Stausee "Lago di Place Moulin" auf 2000 m. Nach kurzer Wanderung taleinwärts kam die erste
Hürde, das "Col de Val Counera" auf 3174 m. Am Einstieg sah
diese Felswand relativ einfach aus, deshalb gingen wir seilfrei. Aber das
rächte sich in der Mitte der Wand. Denn auf den schmalen Griffen und
Tritten lag teilweise Geröll oder Schnee. Ich stieg nur immer etwa 2-3 m
hoch, reichte meinem Jungen die Hand und half ihm über die
Schwierigkeiten hinweg.
Das war mir eine Warnung, nie mehr am Berg mit meinem Enkel ohne
Seilsicherung zu klettern. Ich atmete auf, als wir diese Steilstufe
überwunden hatten.

.
Weiter ging es über die "Pta. Fontanella" 3584 m, danach
ständig auf unwegsamen Gelände bergab durch das breite Hochtal von
Chardonney bis zum "Hotel Prarayer".
Laut Empfehlung im Buch sollte hier schon die 3. Übernachtung sein und
wieder schaute ich in die Augen meines Burschen.
Aus seinem Munde kam nur
ein Wort: "Opa wir gehen weiter".
Es war früher Nachmittag und ein weiter Weg zur "Aosta-Hütte"
auf 2781 m stand uns bevor. In dem herrlichen von eisbedeckten Bergen
eingerahmten Tal, stiegen wir am Buthierbach entlang der Aosta-Hütte entgegen. Unterhalb
der Hütte, oh Schreck,
mussten wir doch noch unsere Eisen und Pickel aus
dem Rucksack nehmen. Mehrere steile Gletscherabbrüche des "Tsa de
Tsan-Gletschers" waren zu
überwinden bevor wir endlich, ausgelaugt von den Strapazen in den letzten
Tagen, zur Aostahütte gelangten. Plötzlich am letzten Steilstück rutschte
Marcel ein Steigeisen von der Schuhsohle und baumelte daneben. Ein wieder
festzurren war in dieser prekären Situation nicht möglich. Mit Seilzug von
mir schafften wir die letzten Meter.
Die kleine Aosta-Hütte ist unbewirtschaftet, ich hatte nur noch wenig zu Essen
im Rucksack. Einer der anwesenden Bergsteiger am Tisch sah unsere karge
Mahlzeit und spontan machte er für Marcel einen Teller voll von
seiner warmen Mahlzeit.
Das ist reine Bergkameradschaft, wir waren dankbar.
Die Nacht in der Hütte war eiskalt. Unsere Kleidung war noch feucht vom
Schweiß. Im dunkeln konnte ich noch eine Decke ergattern für Marcel. Eng
zusammen gekauert verbrachten wir die Nacht.
3. Tag! (Laut Buch
wäre es ja schon der 5. Tag). 
Nun wurde es ernst. Der heutige Tag sollte der längste, schwierigste und
gefährlichste Teil unserer Tour
werden.
Beim Morgengrauen stiegen wir ohne Frühstück im steilem Geröll dem "Col
de la Division" 3560 m entgegen. Unsere Flaschen waren wieder leer,
ich trank ganz wenig, befeuchtete nur meine Lippen, Hauptsache mein junger
Begleiter hatte zu trinken.
Die Sonne brannte vom Himmel und wurde auf dem
Eis noch verstärkt. Der Durst war all gegenwärtig. Beim queren eines mit
Geröll bedeckten Gletscher hörte ich ein leises plätschern. Ich räumte
das Geröll beiseite und wir konnten wieder unsere Flaschen mit
Gletscherwasser füllen.
Über den "Tete di Valpelline" 3802 m kamen wir zum "Col de
la Division" 3560 m. Der Anstieg zur Scharte war sehr steil, ab hier
seilten wir uns an. Nun ging es den langen spaltereichen auf 3000 m hoch
gelegenen Stockjigletscher hinunter.
Und hier passierte es...mein Enkel Marcel brach plötzlich bis zum Bauch in
eine Gletscherspalte ein und seine Beine baumelten über dem Abgrund. Ich
reagierte sofort, lief 2 oder 3 Schritte weiter, so dass das Seil straff wurde.
Mit vereinten
Kräften meisterten wir diese Lage.
Zu Hause gab Marcel zum Besten: "Er fiel in eine Spalte und was
machte der Opa...läuft seelenruhig weiter"...
Im Vorblick beherrschte der düstere Westabsturz des Matterhorns die
Szenerie. Rechts sahen wir die drohenden Hängegletscher
der Dent de
Herens- Nordwand.


.
Am Ende des Stockjigletscher geht der Abstieg über einen fast senkrechter Felsabbruch. Ich
hatte Zweifel und überlegte, ob wir diesen Abstieg wagen sollten. Alternativ war ein
Abstieg über das Ende des total zerklüfteten mit Spalten übersäten
Stockji-Gletschers möglich aber ein viel längerer Weg.
Ich entschied mich für den exponierten Felsabstieg und nahm meinen Burschen ans kurze Seil.
Ich bewunderte meinen Enkel, wie traumhaft sicher er und ohne zu zögern,
die schwierigen Felspassagen meisterte. Ohne Schwierigkeiten erreichten wir den total mit Geröll
übersäten Zmuttgletscher. Uns quälte wieder der Durst. Am Felsen
im Schatten angelehnt machten wir eine Pause und wieder war's mein
Spürsinn für die Gefahren am Berg...ich hörte ein leises Tropfen hoch
über uns im Fels,
es war Wasser zur rechten Zeit. Ich kletterte am Felsen hoch, Marcel
reichte mir die Flaschen. es dauerte eine ganze Weile bis unser Durst
gestillt war und die Flaschen voll waren.
Schräg gegenüber sahen wir die Schönbielhütte auf 2694 m gelegen, getrennt von
einem steilen Moränen-Abbruch. Dem Buch nach wäre das die 6. Übernachtung,
wir hatten gerade mal zwei Übernachtungen gebraucht. Die Frage für uns
war, in der Schönbielhütte übernachten
oder weiter den langen Weg über Zmutt nach Zermatt gehen.
Wir entschieden uns weiter nach
Zermatt zu laufen.
Weglos am unterem Rand der Moräne über Eis, große Felsbrocken, durch
Sulzeis kamen wir nur langsam voran.
.

.
Auf der rechten Talseite sahen wir die riesige,
bedrohende Matterhorn-Nordwand über uns.
Meine Gedanken gingen 15 Jahre
zurück, als ich die Matterhorn-Nordwand in 36 Std. mit meinem Partner Kurt durchstieg.
In Zmutt, es ist ein
kleiner uriger Ort am Fuße der Matterhorn- Nordwand mit Steinplatten bedeckten
Häusern,
machten wir in einem kleinen Cafe Pause.
Zermatt kam immer näher und damit auch die stille Freude über das
Gelingen unserer Tour "Rund ums Matterhorn". Ich war stolz auf
meinem Burschen Marcel. Durch Zermatt marschierte er als ob er nur einen
Rundgang um Zermatt gemacht hätte.
Ich dagegen war fix und alle, meine Beine schleppten sich nur mühselig
bis zum Zermatter Bahnhof.
Angekommen am Campingplatz in Täsch kam richtig Freude für uns auf.
.
Rund ums Matterhorn in 3 Tagen. Ca. 3500 Höhenmeter, bei ca. 80 km Weg, davon 22 km über
Gletscher, über Drei und Viertausender.
Ich bin sehr stolz auf die außergewöhnliche Leistung meines damals erst 13-jährigen Enkel Marcel.
Hier eingezeichnet Stationen unserer Tour:
Breithorn 4171m, Rif. Barmasee, Rif. Aosta und die Gletscherspalte in der Marcel
einbrach!
|
|